Entuziazm im Licht der modernen abstrakten Arbeit

1.     Einführung und Ausgangslage Der Film Entuziazm (Simfonija Donbassa) ist vor allem aufgrund des kreativen Umgangs Dziga Vertovs mit dem neuen Tonmedium bekannt. Auf der Tonebene stellt er der Kirchenmusik die Internationale gegenüber.[1] Im Ticken der Uhr und im Ruf des Kuckucks kündigt sich die kommende Revolution an.[2] Keine Frage, Vertovs filmische Verfahren unterstützen auch …

Zwischen Verirrungen und Widersprüchen:

Methodenreflexion und Medienethnografische Dokumentation zur Methode des Flanierens 1.     Einleitung Im ersten Teil meines Projekts widmete ich mich im Areal Schloss Schönbrunn einer Praxis des Gehens, genauer: des Flanierens. Anhand einer erstellten Landkarte verlegte ich das Flanieren jedoch in den Cyberspace und machte meinen Stadtrundgang so auch Kolleg*innen zugänglich. Ein Kollege erkundete meine Kartografie virtuell …

Theatral oder real – (k)ein Doppelspiel

Eine Gruppe junger Menschen hüpfen vom letzten Treppenabsatz in die Unterführung einer Wiener U-Bahn-Station. Dabei lassen sie Skate-, Longboards und Roller aus einiger Höhe auf den Fliesenboden fallen, springen auf die Sportgeräte und fahren in gewandten Bewegungen an den Passant*innen vorbei. Wenige Meter weiter wartet ein Verkäufer der Wiener Straßenzeitung „Augustin“, der sich, als er …

Verblendeter Kugelsternhaufen

Kurzgeschichte zu einem Wikipedia-Zufallsartikel: Terzan 5 – https://de.wikipedia.org/wiki/Terzan_5 „Hast du das Teleskop überprüft?“, fragte der Professor nach einer Weile. „Ich bin gleich soweit“, murmelte der Student mürrisch. Der Akademiker hatte die Stirn in Falten gelegt und blätterte weiter in den Journalen. Henri zuckte zusammen. Für einen kurzen Augenblick schloss er die Augen, freilich nur so …

Am Morgen

Vermutlich ist es 7.30 Uhr morgens. Ich öffne die Augen. Wach bin ich schon länger, das liegt an den Geräuschen in der Küche. Denn M. hat angefangen, die Geschirrspülmaschine auszuräumen. Er ist bei den Töpfen, im unteren Fach des Geschirrspülers. Die Glasdeckel klimpern. Es entsteht ein kratziger Ton, wenn er das Kochgeschirr auf die Stahlablagefläche …

Abstract: Kapitalismus essen Emotionen auf.

Im Online-Videoportal YouTube haben sich seit geraumer Zeit sogenannte Binge-Eating-Shows wie Mukbang etabliert. BJs (Broadcast Jockeys) oder Vloggerinnen erzählen während des Verzehrs von knusprigen Hähnchenkeulen, Burgern und Nudeln persönliche Geschichten oder verwenden spezielle Mikrofone, um Laute wie Schlürfen, Kauen und Schlucken überdurchschnittlich deutlich wiederzugeben (ASMR – Autonomous sensory meridian response). Indem sich die YouTuberinnen zumeist …

Forschungskonzept:
Wer regiert wen?
Die Waage der Kaiserin Elisabeth.

Entwicklung der Problemstellung Susan Bordo geht in ihrem Buch Unbearable Weight. Feminism, Western Culture, and the Body bis ins viktorianische Zeitalter zurück und erklärt, dass im 19. Jahrhundert die erste (dokumentierte) kulturelle Einflussnahme auf die geschlechtsspezifischen Essgewohnheiten stattfanden.[1] Sie verbindet das Verhältnis unserer gegenwärtigen kulturellen Normen, die den Appetit der Frauen regulieren, mit den anfänglichen …

„Das Maibouquet des Raufbären“:
Reglementierung von Schauereignissen im 18. Jahrhundert am Beispiel des Wiener Hetzamphitheaters.

Während Maria Theresia regierte, wurden Freizeit, Wochenarbeitszeit und Andachtszeit eigene temporale Grenzen gezogen. Die allgemeine Ausdehnung der Arbeitszeit wie auch die Reduktion der Feiertage[1] wurden nicht nur ökonomisch begründet, die Argumentation war auch eine moralische: Es war ein „Kampf gegen Müßiggang und Ausschweifung“, so Historiker Karl Vocelka.[2] Eingedämmt wurden somit Fress- und Saufgelage, Zank und …

Durch André Bazins Brille: Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind ist einer dieser leichten, unterhaltsamen Romane, denen womöglich kein allzu prominenter Platz im Bücherregal eingeräumt wird, weil man sich ihrer fast schämt, so sentimental sind sie. Zudem wird der Plot auch in literaturwissenschaftlichen Abhandlungen mitunter für seine „Banalität“ kritisiert.[1] Aber vielleicht findet sich das Buch gar nicht als gebundene Lektüre im eigenen …

Der Brief als Requisit

Eine Inszenierungsanalyse von Michael Thalheimers Emilia Galotti Einleitung Der Prinz von Guastalla, Hettore Gonzaga, geht seinen Amtsgeschäften nach: Nichts als Beschwerden und Bittbriefe – bis eine Bittstellerin Emilia heißt. Schon der Vorname genügt, um ihn in Unruhe zu versetzen, denn seine Zuneigung gilt Emilia Galotti – gleichgültig lässt ihn jedoch der Brief seiner Geliebten, der …