Content-Strategie „Meine Entdeckungsreise“

Content-Strategie „Meine Entdeckungsreise“

Als ich vor zweieinhalb Jahren in einem Kulturbetrieb zu arbeiten begann, konnte ich mein Glück kaum fassen. Das erste Mal standen mir schier grenzenlose Inhalte zur Verfügung. Das Arbeiten mit schnöden Marketingtexten gehörte der Vergangenheit an und ich hatte das Gefühl auf einen wahren Content-Schatz gestoßen zu sein. Versunkene Reichtümer, die nur darauf warteten, von mir geborgen zu werden. Ich brauchte bloß die Kostbarkeiten zu Tage fördern und danach würde ich als berühmte Entdeckerin in die Webhistorie eingehen.

Die Expeditionsvorbereitung

Wie Jacques Cousteau würde ich hunderte Filme – in meinem Fall Youtube-Videos – produzieren und dutzende Bücher – bei mir wären es Blogartikel – verfassen. Mir fehlte nur noch ein Markenzeichen, wie die Mütze von Cousteau, und schon könnte ich in See stechen. Gesagt, getan! Mit roter Pudelhaube und Taucherbrille machte ich mich auf und schwamm ins offene Meer hinaus. Meine Expeditionsplanung fiel recht bescheiden aus, aber schließlich wusste ich wo mein Schatz verborgen lag. Und so kam es, wie es kommen musste, ohne vernünftige Ausrüstung und Vorbereitung dümpelte ich bloß an der Oberfläche.

Der Bommel meiner Mütze war noch nicht mal nass geworden, entschied ich das Abenteuer abzubrechen und kehrte ernüchtert an meinen Schreibtisch zurück. Vor mir lag die spanische Silberflotte und für die Bergung brauchte ich mehr als nur Taucherbrille und Schnorchel. Mir ging es nicht darum, reich und berühmt zu werden – was den meisten Entdecker/innen ohnehin zu Lebzeiten nicht gelang – sondern meine Bestrebung lag darin, den Usern/innen gute Inhalte zugänglich zu machen und ansprechend zu präsentieren. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich natürlich nicht vollständig ahnungslos drauflos schipperte, aber meiner Entdeckungsreise fehlte eindeutig die nötige Strategie.

Die Expeditionsplanung

Miriam Löffler, die Autorin des Buches „Think Content“, bezeichnet die Anfangszeit des Internets als Abenteuerspielplatz.

Mag sein, dass das Internet in seiner Anfangszeit noch für alle Beteiligten ein Abenteuerspielplatz war, dass die User die Entwicklung spannend fanden und sich gegenüber verschiedenen Experimenten aufgeschlossen zeigten. Heutzutage, wo das Web zu einem alltäglichen Nutzungsumfeld geworden ist, sind die User nicht mehr tolerant, wenn sie an minderwertige, schlecht zugängliche oder miserabel aufbereitete Webinhalte geraten.“ (Löffler, 2014)

Hatte ich etwa denselben Fehler begangen, wie schon viele vor mir, und das 15 Jahre später? Ich denke, ich kann diese Frage mit einem klaren Nein beantworten. Was ich vor mir hatte, war zwar die spanische Silberflotte, aber ich wusste auch, dass nicht alles, was glänzt, auch Gold ist.

Die vermeintlichen Reichtümer waren gespickt mit Dubletten (duplicate content) und dazwischen befand sich auch wenig gute Qualität (schlechte Webtexte etc.). Außerdem erforschte Jacques Cousteau die Unterwasserwelt auch nicht alleine und erkundete die See gemeinsam mit Archäologen, Biologen und Geophysikern uvm. Für mich galt von nun an, nach Ressourcen Ausschau zu halten. „Unternehmen brauchen mehr als eine Redaktion, wenn sie es ernst meinen mit Content-Qualität.“ (Eichmeier, 2012)

Das Audit, also die Erforschung der Inhalte, kostet Geld, Zeit und verlangt nach Manpower und eine tiefgehende Prüfung kann oft Wochen benötigen, regelmäßige Content-Audits sind ein Must-Have (Löffler, 2014: S. 92). Eines wurde mir klar, ich musste meine Expedition besser vorbereiten und sollte es auch Monate in Anspruch nehmen.

Zurück am Schreibtisch gingen mir viele Fragen durch den Kopf: Wie bereitet man sich auf eine solche Forschungsreise vor? Hatte ich genug Skills und reichten meine Expeditionsfähigkeiten überhaupt aus? Gab es vielleicht ein allwissendes Nachschlagewerk, welches ich nur lesen müsste und danach hätte ich die richtige Strategie zur Hand? So einfach war es leider nicht.

Die Entdeckungsreise

Die richtige Ausrüstung zu finden, sich Fertigkeiten anzueignen, genug Sicherheit zu haben und dann noch zeitliche, personelle und finanzielle Ziele festzumachen ist eine große Herausforderung. Und ständig den Financier im Nacken: „Alles schön und gut, und was bringt mir das wirklich?“ Ich brauchte dringend Tipps für den richtigen Einstieg!

Als ich ungeduldig auf die Antwort wartete, ob ich an Bord des Studiengangs „Content Strategie“ war und wir überhaupt vom Stapel laufen würden, las ich oft in Heinz Wittenbrinks Blog Lost and Found.

„Die Neunmalklugen, die immer schon gewusst haben, dass es auf die Inhalte ankommt, müssen meist noch lernen, in welcher Umgebung Inhalte heute publiziert werden.“ (Wittenbrink, 2014)

Ich war bereit zu lernen, wollte mich austauschen und erfahren, was es überhaupt bedeutet eine richtige Content-Strategie zu haben.

Mittlerweile tauchen auch nach den Online-Phasen und der ersten Präsenzwoche immer noch viele Fragezeichen im Bezug auf Content-Strategie auf, aber das ist gut. Ich möchte zukünftig mehr Fragen stellen und nicht nur Antworten geben. Jutta Pauschenwein hat so treffend formuliert: „Ihr müsst eure Haltung ändern, habt Mut zur Lücke!“ Die gemeinsame Woche in Graz hat definitiv zu meiner Persönlichkeitsentwicklung beigetragen und ich denke, ich bin stärker und robuster an meinen Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Auch habe ich gemerkt, dass ich schon viel an Know-How mitbringe, gerne Wissen teile und beim Arbeiten im Team plötzlich alles ganz leicht wird. Was als planlose Forschungsreise begann, hat in Graz viel an Struktur gewonnen.

Nach dieser Woche bedeutet für mich Content Strategie: Webinhalte zu ordnen und zu analysieren, zielgruppengerecht zu planen und professionell aufzubereiten. Während ich dies schreibe, erinnere ich mich an ein Zitat von Marcel Proust, und den Worten werde ich auch zukünftig mehr Bedeutung zukommen lassen: „Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, dass man neue Landschaften sucht, sondern dass man mit neuen Augen sieht.“

Literaturverzeichnis

Die Welt (2010) Die Welt: Wissen | Natur und Umwelt | Jacques Cousteau – Ozeanforscher und Tierquäler, 9 June, [Online], Available: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article7884567/Jacques-Cousteau-Ozeanforscher-und-Tierquaeler.html [16 November 2014].

Duden online (2013) Duden online: Suchergebnis Gold, [Online], Available: http://www.duden.de/suchen/dudenonline/Es+ist+nicht+alles+Gold+was+gl%C3%A4nzt [16 November 2014].

Eichmeier, D. (2012) PR – Blogger | Erfolg mit Content-Marketing – Die Kraft liegt im Unternehmen selbst, 25 July, [Online], Available: http://pr-blogger.de/2012/07/25/erfolg-mit-content-marketing-diekraft-liegt-im-unternehmen-selbst/ [16 November 2014].

Löffler, M. (2014) Think Content – Content-Strategie, Content-Marketing, Texten fürs Web, 1st edition, Bonn: Galileo Press.

WHO’S WHO. The People-Lexicon (2014) WHO’S WHO. The People-Lexicon | Jacques Cousteau , [Online], Available: http://www.whoswho.de/bio/jacques-cousteau.html [16 November 2014].

Wittenbrink, H. (2014) Lost & Found: Der Content der Content-Strategie—nicht Mamas und Papas Inhalt, 31 May, [Online], Available: http://wittenbrink.net/lostandfound/2014/05/der-content-dercontent-strategienicht-mamas-und-papas-inhalt/ [16 November 2014].