Keep calm and think of London

Ich bin lange Zeit einem Irrtum unterlegen. Ich dachte, wenn sich digitale Projekte erst einmal bewährt hätten, die Marketingbudgets gerecht aufgeteilt und auch die letzten InternetzweiflerInnen überzeugt wären, dann würden wir Webschaffende es immer einfacher haben. Doch ich habe mich getäuscht.

Mind your head

Das Arbeiten im Web wird nicht einfacher, sondern immer anspruchsvoller. Die Erwartungshaltung der User ist bereits so hoch, dass auch die Komplexität der Tools, Entwicklungen und Frameworks ständig steigt. Der digitale Fortschritt vollzieht sich in Höchstgeschwindigkeit. Die Skalierung wird immer schwerer und daher auch die Zusammenarbeit im Team.

Ich kann mich noch genau erinnern. Nach einer anstrengenden Woche lümmelten wir auf der FH-Couch und tranken ein letztes Barcamp-Bier. Völlig unerwartet hörte ich Heinz sagen: „Wir könnten im Frühling nach London fliegen und uns dort mit der Community austauschen. Verlegen wir doch einfach eine Präsenzwoche nach UK!“ Ganz so einfach war es dann doch nicht, aber im Mai ging es tatsächlich nach London. Meine StudienkollegInnen Romana, Claudia, Anneliese, Sabrina und Simon haben in ihren Beiträgen bereits erzählt wie aufschlussreich die Inhalte, Vorträge und Diskussionen in London waren.

Agile in a Waterfall?

Zuweilen gehöre ich auch zu den Menschen, die neidisch über den Kanal blicken und sich fragen ob die Internetspielwiese dort nicht so viel grüner sei. Agile Entwicklungen gehören in UK bereits zum Standard und laut einer Umfrage beschäftigen 57 %* der Organisationen bereits mehr als fünf agile Teams. Als wir bei DigitasLBi, Mozilla und Government Digital Service herumgeführt wurden, war ich total beeindruckt – dazukommt, dass ich einen kleinen Flashback erlitt und mich an meine Zeit in der digitalen Unit im selben Medienkonzerns der DLBi erinnerte. Allerdings mit einer kleinen Ausnahme: Wir arbeiteten nicht mit über 100 Digitalen an einem Kunden!

Es war eine anstrengende Woche und es ist weithin bekannt: Diese Stadt reißt kleinere und größere Löcher ins Portemonnaie.  Als ich zurück nach Österreich kam und hier noch alles den Eindruck erweckte „old school“ zu sein, fühlte ich mich dennoch in meiner Studienrichtung völlig bestätigt.

„Meine Arbeit wird in der Zukunft auch nicht einfacher werden aber agiler!“

Die wichtigste Erfahrung in London war, mitzuerleben wie eine „lebendige“ Content Strategy aussehen kann. Das Beste daran sind die Menschen, die sie leben und dabei aus den unterschiedlichsten Disziplinen des Webs kommen.

*(8th Annual State of Agile Survey, VersionOne, 2013)