Schafe auf einer Wiese

Schaf oder Ziege? Mein Blick auf 2015.

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Kaum zu glauben! Ende November hatte ich meine letzte Präsenzwoche für dieses Jahr.

Weihnachten steht nicht nur vor der Tür, sondern hat das Glöckchen bereits in der Hand. Silvester lässt auch nicht mehr lange auf sich warten und so ziehe ich Resümee über das Vergangene.

Heuer erlebte ich Neujahr gleich zweimal. Einmal in Wien und ein zweites Mal in Südkorea. In Korea bezeichnet man den Neujahrstag mit „Seollal“. Seollal fiel dieses Jahr auf den 19. Februar. Der Neujahrstag ist ein wichtiger Feiertag für die koreanische Gesellschaft und darum nehmen sich viele Südkoreaner gleich mehrere Tage frei, um sie mit ihren Familien zu verbringen.

Zweideutiges Yang

Saehae Bok Manhi Bateuseyo (새해 복 많이 받으세요)* lautet die Begrüßung zum koreanischen Neujahrsfest und kündigte 2015 das Jahr des Schafes an. Ich zählte auch zu den Menschen, die hübsche Schaf-Kärtchen mit Wünschen und Erwartungen vollpackten und an südkoreanischen Bäumen befestigten.

Im chinesischen Horoskop wird das Tierkreiszeichen Schaf auch als Ziege bezeichnet. Der Ziege sagt man die Charaktereigenschaften „willensstark“ und „energiegeladen“ nach. Das Schaf ist hingegen „schwach“ und im Zeichen Geborene gelten oft als „Unglücksraben“ , eben Yin und Yang.

In China und in Teilen Japans hält sich der Glauben hartnäckig, dass Frauen, die im Jahr der Ziege bzw. des Schafes geboren sind, ihren Kindern und Ehemännern Unglück bringen. Daher entscheiden sich Eltern oft für eine Abtreibung oder einen Kaiserschnitt, um die Geburt ihres Kindes im Jahr des Ziegenbocks zu verhindern.

Das Jahr des unglückbringenden Schafes

Europa erleben wir in diesem Jahr,  tiefgespalten und in der Flüchtlingsfrage zerrissen.
Am 7. Jänner fielen die Schüsse auf die Redaktion „Charlie Hebdo“ und am 13. November wurde Paris abermals von schweren terroristischen Angegriffen erschüttert. In Ankara, Kuwait und an vielen anderen Orten der Welt wurden dutzende Menschen Opfer von Terror und Gewalt. Frankreichs Präsident Hollande sprach von Krieg und meine Weltanschauung geriet gewaltig ins Wanken. Ich erinnerte mich an eine Szene meiner Kindheit:

Meine ältere Schwester bewohnte ein Mansardenzimmer. Wenn ich die Treppe hochlief, blieb ich von Zeit zu Zeit vor ihrer Zimmertür stehen und starrte auf das große Poster an ihrer Tür. An genaue Details erinnere ich mich nur noch unscharf. Es war eine Szene aus dem Krieg.  Zu sehen war ein Schlachtfeld mit unzähligen Gewehren auf denen die Stahlhelme der toten Soldaten hingen. Im Vordergrund konnte man einen einsamen Kämpfer erkennen, der sich mit allerletzter Kraft auf seine Waffe stützt. Über seinem Kopf stand der Satz: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin…“.

Ursprünglich sollte dies ein Blogpost zu unserer letzten Präsenzwoche in Graz werden. Das ist mir nicht geglückt. Am 8. Februar wird jedenfalls der Affe das Schaf ablösen und ich hoffe auf ein friedliches Jahr. 

No War!


*Die einzelnen Elemente lassen sich wie folgt übersetzen: 새해 = Neues Jahr, 복 = Glück, 많이 = viel, 받으세요 = bekommen.

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