Bambi streicheln in Nara

Der nächste Tag führte mich nach Nara. Nara-shi 奈良市 war im Zeitraum von 710 bis 784 die Hauptstadt Japans. Die Kulturschätze der Stadt zählen zum heutigen UNESCO Weltkulturerbe und mit seiner Geschichte und Tradition gilt Nara als geistige Heimat der Menschen in Japan.

Gefräßige Rehe

Besonders beliebt ist das Sikawild in Nara. Die Rehe und Hirsche bewegen sich frei in der ganzen Stadt und sind „relativ“ zutraulich. Am Straßenrand bieten kleine Stände Hirsch-Kekse zum Verkauf, die die Rehe lieben. Und da sind wir schon beim springenden Punkt: Die Rehe ticken förmlich aus, wenn man nur mit der Keksverpackung raschelt. Besonders gerne beißen sie in die Jacke, dort wo die Manteltaschen befestigt sind und wo die  gefräßigen Tierchen Leckerlis vermuten. Nicht selten wird man Zeuge, wie die Besucher selbst zur Sensation werden und kreischend die Flucht nach vorn antreten, um den gierigen Rehen zu entkommen. Auch ein „zärtlicher“ Stoß mit dem Geweih kann blühen, wenn die Belohnung nicht auf der Stelle ausgeteilt wird. Sind dann alle Kekse verfüttert, zieht das Wild von dannen und lässt sich nicht mehr so einfach tätscheln.

Wald von Nara

Zugegeben, die Sorge, während des Trips an irgendeinem Ort bitterlich zu erfrieren, war bisweilen sehr präsent. Dem Designer-Outlet sei Dank. Noch vor Abreise wurde ich furchtlose Besitzerin einer blitzblauen, ca. 300g leichten, schwedischen Daunenjacke – die in ein Turnsackerl passt und für die ich „nur“ € 130,- berappte. Ergo hielt ich mich beim Füttern zurück. Obwohl in Japan gerade kuschelige 20 Grad vorherrschen und der Erfrierungstod nicht hinter jeder Ecke lauert, hatte ich einfach keine Lust, dass mir die Viecherl in meine teuren Federn beißen.

An diesem Tag zog es mich unter anderem zum Kasuga taisha Shrine und zum Todai ji Tempel. Im Todai ji Tempel wohnen drei imposante Buddha Statuen und dementsprechend riesig ist die Halle im Inneren. Der Tempel zählt mit 57 m Breite und 48 m Höhe zu den größten Holzgebäuden der Welt.

Der Kasugayama-Urwald wurde zum Weltnaturerbe erklärt und ist Bestandteil des weitläufigen Nara-Parks. Mit Ausnahme der Wanderwege, welche für Besucher angelegt wurden, ist der Wald über tausend Jahre unberührt geblieben. In Japan gilt er als heilig. Und auch mir hat es im Wald am besten gefallen, außerdem sind die Rehe dort weniger gefräßig und eben nur kleine süße Bambis.