Seebenstein

Von der Burg zum Halbmond

Es dürfte im Juli oder im August gewesen sein. In der Sommerferienzeit. Das Jahr weiß ich nicht mehr so genau. Die Hitze war unerträglich. Noch dazu war die Sonne gewandert und schien mit voller Kraft auf den Torturm der Burg. Es war einer der interessantesten, aber etwas mühsameren Ausflüge mit der Familie. Wahrscheinlich war ich neun oder dreizehn.

Gleißende Hitze am Gleißenfeld

Ich weiß noch, wie ich im stechenden Licht die Augen zukneifen musste. Die Sonne brannte entsetzlich. Doch als wir der Burg näher kamen, erblickte ich die Pechnasen.

Die alte Burg wirkte mit dem Gusserker und den Schießscharten immer noch wehrhaft. Schwarze Flecken unter den Wehrerkern – in meiner Vorstellung konnten es nur alte Pechspuren sein – taten ihr Übriges. Und die Sommerhitze verstärkte diese Vorstellung von dem heißsiedenden, teerartigen, braunen Öl, das sich über die Feinde ergoss: Burg Seebenstein hat sich bis heute in meine Erinnerung eingebrannt.

Mondsichelmadonna

Jeder, der bereits einmal mit dem Auto von Wien in die Steiermark gefahren ist, kennt die Ruine auf der steilen Kante der Felswand kurz vor dem Wechsel. Auf dem Weg zu den Großeltern gehörte die Legende vom Türkensturz für uns Kinder zum Standardprogramm langer Autofahrten – so wie Jonny Hills „Ruf Teddybär eins-vier“.

In der Familienüberlieferung war es freilich nicht die Jungfrau Maria, die geflohen ist. Vielmehr war es ein junges, mutiges Mädchen, welches die Osmanen vernichtend geschlagen hatte. Sie gab den Kriegern vor, den richtigen Weg zur Burg zu kennen – an dem Tag war es sehr nebelig. Die schlaue Reiterin führte die Soldaten geradewegs über die Felsen. Durch die schlechte Sicht konnten die Krieger nicht erkennen, dass sie kurz vor dem Abgrund geschickt auswich. Und so stürzten die Reiter mit ihren Pferden in die Tiefe. So viel zur Legende im blauen Mitsubishi auf der Wechselbundesstraße.

Eines ist sicher: Die Ruine ist nicht echt. Sie wurde im Zeitalter der Romantik 1820 von Johann I. Fürst von Liechtenstein errichtet und der Name rührt aus der Zeit der Türkenkriege – wer später den Halbmond anbrachte, ist nicht überliefert.

Aber Legende hin und Kipferl her: es war ein schöner Tag.

Links für mehr:
Naturpark Türkensturz: https://www.naturparke.at/naturparke/niederoesterreich/naturpark-tuerkensturz/
Naturpark Seebenstein: https://www.naturparke.at/naturparke/niederoesterreich/naturpark-seebenstein/
FREETS -Zum Türkensturz wandern und über die Bucklige Welt schauen: https://freets.at/tuerkensturz/
ZEIT ONLINE – Türkensturz: http://www.zeit.de/2011/34/A-Tuerkensturz
KURIER – Halbmond statt Gipfelkreuz: https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/halbmond-statt-gipfelkreuz/733.080

2 Comments

    1. Dankeschön! Im Frühling ist es bestimmt noch viel schöner und dann hat die Burg auch geöffnet. Ich möchte auf jeden Fall nochmals hin und auch den schönen Innenhof und das Innere der Burg besichtigen. 🙂

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