Vermutlich ist es 7.30 Uhr morgens. Ich öffne die Augen. Wach bin ich schon länger, das liegt an den Geräuschen in der Küche. Denn M. hat angefangen, die Geschirrspülmaschine auszuräumen. Er ist bei den Töpfen, im unteren Fach des Geschirrspülers. Die Glasdeckel klimpern. Es entsteht ein kratziger Ton, wenn er das Kochgeschirr auf die Stahlablagefläche stellt. Nur die Töpfe, die er auf die verkehrten Topfdeckel schlichtet, verursachen eine helles Läuten. Allmählich ist er im zweiten Fach der Spülmaschine angelangt, bei den Trinkgläsern. Er stellt jedes Glas feinsäuberlich in den dafür vorgesehen Schrank. Da der Hängeschrank zu klein ist, klirren die Trinkgefäße, denn um Platz zu schaffen, schiebt er sie vorsichtig hin und her. Es folgt ein Topf mit einer Spange . Der Verschluss klopft an die Unterseite des Behälters, wie eine kleine Trommel. Jetzt ist die Bestecklade dran – der Höhepunkt. Löffel und Messer, Gabeln und Suppenschöpfer werden eilig in die Lade transportiert. Jedes Mal wenn das Besteck auf die eingeräumten Essgeräte trifft, rasselt es. Ich schließe nochmals kurz die Augen. Langsam stehe ich auf, denn die Nachbarin hat sich eine Badewanne eingelassen. Der Abfluss gurgelt. Auf der Baustelle daneben pfeift jemand und der Presslufthammer wird angeschmissen. Unterm Fenster parkt ein Auto. Die Fahrerin hört Rap. Vis-a-vis dudelt Radio Wien und ein Handy läutet. Der Nachbarsjunge schmeißt die Türe ins Schloss, zuvor schreit er aber seiner Mama zu, dass sie ihn um 12 Uhr nicht vergessen soll. Die elektronische Zahnbürste schnurrt dahin und vermischt sich mit den restlichen Geräuschen: Es ist Tag geworden.