Über eine Bleistiftzeichnung

Es war einer dieser Tage, an denen ich versuchte, der tödlichen Langeweile durch endloses Scrollen und Wischen zu entkommen – so lange, bis doch einmal das Ende des Social-Media-Streams zu sehen war. Während ich mich also dem Strom der medialen Bilder hingab, nimmermüde irgendwelche Knöpfchen zu drücken und Links zu betätigen, tauchte zu meiner großen …

Der Wald gibt ein Konzert

Klatsch! Aha, was war das? Klatsch! Da! Schon wieder? Irgendwas klopft gegen meine Kappe! Platsch, klatsch! Jetzt am Unterarm! Nicht doch! Sind das Regentropfen? Fängt es da oben, hoch in den Wipfeln, an zu rascheln? Aber es ist doch nichts zu sehen! Geben die Baumkronen gar einen Kammerton von sich? Sind das Streicher? Laute Stimmen, …

Zitate. Lieblingsstellen. Erste Wörter. Letzte Sätze. Fundstücke in Büchern, die einem nicht mehr aus dem Sinn gehen.

Mein Notizbuch ist 130 x 180 mm groß. Es ist dunkelgrau. Streng genommen ist es ein leichter Khaki-Ton mit einem geometrischen Muster. Es hat 128 Seiten – meines hat nur noch 118 Seiten, weil ich im letzten Sommerurlaub einige rausgerissen habe. Davon mal abgesehen, kann ich mir aussuchen, ob ich auf weißem oder braunem Naturpapier schreiben möchte. Die Vorder- und Rückseite sind aus stabiler Graupappe, mit feiner Heißfolienprägung. Das Label, eine goldene Schriftprägung, befindet sich in der linken unteren Ecke. Irrtümlich habe ich verkehrtherum zu notieren begonnen, folglich ist bei mir der goldene Schriftzug in der rechten oberen Ecke bzw. auf der Rückseite – und steht Kopf.

Für mich ist es nicht bloß ein Notizbuch. Für mich ist es weit mehr: Es ist Begleiter, ein Vertrauter – mein Komplize.

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Nicht ohne Fahrradausweis – Schloss Schönbrunn im Augenschein der Memoria. Abschnitt VI

Schönbrunn als Erinnerungsort Selbst nach oftmaligem Betrachten bleibt das Foto aus der Ausstellung bizarr. Es scheint, als hätten die Soldaten alleine Sorge zu tragen, dass das Schloss im Schnee völlig unberührt bleibt, konserviert in den Ereignissen und und vollkommen unbeeindruckt vom fortschreitenden Niedergang der Monarchie. Selbst wenn es ein unmögliches Unterfangen ist, vergangener Ereignisse anhand …

Nicht ohne Fahrradausweis – Schloss Schönbrunn im Augenschein der Memoria. Abschnitt V

Erinnerungstourimus Bereits 20.000 Gäste ließen sich Ende der 1920er Jahre durch Schloss Schönbrunn führen und auch Souveniranbieter gab es bereits. An einer bestimmten Stelle der Schauräume stand ein Fotograf, der die Besuchergruppen ablichtete und sich für die Reproduktionen entsprechende Gebühren zusenden ließ (Brocza & Stadelmann 2000, 5–174). In den 1920er Jahren zahlten die nicht Ortsansässigen …

Nicht ohne Fahrradausweis – Schloss Schönbrunn im Augenschein der Memoria. Abschnitt IV

Geheime Wege Ich durchquerte auf’s Neue den Resselpark – diesmal jedoch mit Schirm und aufgestelltem Kragen. Ohne Umschweife nahm ich den nächsten Zug der U4 und fuhr bis zur Station Schloss Schönbrunn durch. Wäre das Wetter nicht so kapriziös gewesen, hätte ich sicherlich das Rad zur ehemaligen Chatternburg genommen. Der Wientalradweg führt vom Ring über …

Nicht ohne Fahrradausweis – Schloss Schönbrunn im Augenschein der Memoria. Abschnitt III

Bildanalyse Das Foto zeigt die Front des Schlosses Schönbrunn, durch das geschlossene Gitter des Haupttors. Wachbeamte sind vor und hinter dem Tor postiert. Sie stehen teilnahmslos da. Es hat den Anschein, als würden sie dem Fotografen keinerlei Aufmerksamkeit beimessen, als wäre es alltäglich für sie geworden, fotografiert zu werden, fast wie in unserer Gegenwart, in …

Nicht ohne Fahrradausweis – Schloss Schönbrunn im Augenschein der Memoria. Abschnitt II

Auswahl Foto Nach einer kurzen Einführung Dr. Koderas im Foyer des Museums waren wir flugs im ersten Stock und fanden uns inmitten einer faszinierenden Ausstellung wieder. Ich benötigte ein paar Minuten, um mich zurechtzufinden. Letzten Endes konnte ich mir aber einen recht guten Überblick verschaffen und fand auch mein Forschungsexponat bereits nach kurzer Zeit. Hatte …

Nicht ohne Fahrradausweis – Schloss Schönbrunn im Augenschein der Memoria. Abschnitt I

Vorwort Memoria – Orte des Gedächtnisses gehörte zu einer meiner Theorievorlesung im Oktober 2018. In der Zwischenzeit habe ich die Studienrichtung gewechselt, aber es war unter anderem diese Lehrveranstaltung, die mich dazu motiviert hat. Im Nachhinein betrachtet enthielt die Lehrveranstaltung so viele Bezugspunkte und Überlegungen, dass sich eine schriftliche Reflexion geradezu aufdrängte, um über das …