Gesellschaft ist bunt – auch im Alter

Eine Analyse der TV-Serie The Golden Girls im Rahmen der Queer Theory 1.      Einleitung In den letzten vier Jahrzehnten hat die gesellschaftliche Sichtbarkeit von LGBTQIA* kontinuierlich zugenommen.[1]  Immer mehr Menschen engagieren sich und Aktivist*innen, Künstler*innen treten für ihr bzw. ein plurales So-Sein ein.[2] Jedoch zählen alternde LGBTQIA* meist nicht zu den Personen, die im öffentlichen …

Melancholische Papiergirlanden.

Eine Analyse der atmosphärischen Gestaltungsmittel in Max Ophüls Liebelei   1.      Einleitung Liebelei Ophüls weiß zu berichten: „Über Liebelei lag ein Glücksstern“.[1] Wobei dies nicht unbedingt für die Erzählung als solche gilt. Denn die Liebe zwischen Leutnant Fritz Lobheimer (gespielt von Wolfgang Liebeneiner) und Christine Weyring (Magda Schneider) steht unter einem schlechten Stern. Fritz hat …

Blue Blues: ein Essay über die Melancholie

1.      Einleitung Der Kultur- und Literaturwissenschaftler Hartmut Böhme bezieht sich in seinem Text „Kritik der Melancholie und Melancholie der Kritik“ zunächst auf Erwin Panofsky und Fritz Saxl sowie ihre Forschung zu „Melencolia I“ von Albrecht Dürer.[1] Die beiden Forscher wiederum verweisen auf einen Brief des hermetischen Neuplatonikers Marsilio Ficino an seinen Freund Giovanni Calvacanti, in …

Entuziazm im Licht der modernen abstrakten Arbeit

1.     Einführung und Ausgangslage Der Film Entuziazm (Simfonija Donbassa) ist vor allem aufgrund des kreativen Umgangs Dziga Vertovs mit dem neuen Tonmedium bekannt. Auf der Tonebene stellt er der Kirchenmusik die Internationale gegenüber.[1] Im Ticken der Uhr und im Ruf des Kuckucks kündigt sich die kommende Revolution an.[2] Keine Frage, Vertovs filmische Verfahren unterstützen auch …

Zwischen Verirrungen und Widersprüchen:

Methodenreflexion und Medienethnografische Dokumentation zur Methode des Flanierens 1.     Einleitung Im ersten Teil meines Projekts widmete ich mich im Areal Schloss Schönbrunn einer Praxis des Gehens, genauer: des Flanierens. Anhand einer erstellten Landkarte verlegte ich das Flanieren jedoch in den Cyberspace und machte meinen Stadtrundgang so auch Kolleg*innen zugänglich. Ein Kollege erkundete meine Kartografie virtuell …

Theatral oder real – (k)ein Doppelspiel

Eine Gruppe junger Menschen hüpfen vom letzten Treppenabsatz in die Unterführung einer Wiener U-Bahn-Station. Dabei lassen sie Skate-, Longboards und Roller aus einiger Höhe auf den Fliesenboden fallen, springen auf die Sportgeräte und fahren in gewandten Bewegungen an den Passant*innen vorbei. Wenige Meter weiter wartet ein Verkäufer der Wiener Straßenzeitung „Augustin“, der sich, als er …

Abstract: Kapitalismus essen Emotionen auf.

Im Online-Videoportal YouTube haben sich seit geraumer Zeit sogenannte Binge-Eating-Shows wie Mukbang etabliert. BJs (Broadcast Jockeys) oder Vloggerinnen erzählen während des Verzehrs von knusprigen Hähnchenkeulen, Burgern und Nudeln persönliche Geschichten oder verwenden spezielle Mikrofone, um Laute wie Schlürfen, Kauen und Schlucken überdurchschnittlich deutlich wiederzugeben (ASMR – Autonomous sensory meridian response). Indem sich die YouTuberinnen zumeist …

Forschungskonzept:
Wer regiert wen?
Die Waage der Kaiserin Elisabeth.

Entwicklung der Problemstellung Susan Bordo geht in ihrem Buch Unbearable Weight. Feminism, Western Culture, and the Body bis ins viktorianische Zeitalter zurück und erklärt, dass im 19. Jahrhundert die erste (dokumentierte) kulturelle Einflussnahme auf die geschlechtsspezifischen Essgewohnheiten stattfanden.[1] Sie verbindet das Verhältnis unserer gegenwärtigen kulturellen Normen, die den Appetit der Frauen regulieren, mit den anfänglichen …

„Das Maibouquet des Raufbären“:
Reglementierung von Schauereignissen im 18. Jahrhundert am Beispiel des Wiener Hetzamphitheaters.

Während Maria Theresia regierte, wurden Freizeit, Wochenarbeitszeit und Andachtszeit eigene temporale Grenzen gezogen. Die allgemeine Ausdehnung der Arbeitszeit wie auch die Reduktion der Feiertage[1] wurden nicht nur ökonomisch begründet, die Argumentation war auch eine moralische: Es war ein „Kampf gegen Müßiggang und Ausschweifung“, so Historiker Karl Vocelka.[2] Eingedämmt wurden somit Fress- und Saufgelage, Zank und …

Durch André Bazins Brille: Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind ist einer dieser leichten, unterhaltsamen Romane, denen womöglich kein allzu prominenter Platz im Bücherregal eingeräumt wird, weil man sich ihrer fast schämt, so sentimental sind sie. Zudem wird der Plot auch in literaturwissenschaftlichen Abhandlungen mitunter für seine „Banalität“ kritisiert.[1] Aber vielleicht findet sich das Buch gar nicht als gebundene Lektüre im eigenen …