Der Brief als Requisit

Eine Inszenierungsanalyse von Michael Thalheimers Emilia Galotti Einleitung Der Prinz von Guastalla, Hettore Gonzaga, geht seinen Amtsgeschäften nach: Nichts als Beschwerden und Bittbriefe – bis eine Bittstellerin Emilia heißt. Schon der Vorname genügt, um ihn in Unruhe zu versetzen, denn seine Zuneigung gilt Emilia Galotti – gleichgültig lässt ihn jedoch der Brief seiner Geliebten, der …

Geradlinige Oberflächlichkeit:

Charakteristische Gesamtanalyse von Emilia Galotti unter der Regie von Andrea Breth

Zu Beginn des Semesters haben wir uns kurz in der Lehrveranstaltung “Aufführungs- und Inszenierungsanalyse” persönlich kennengelernt. Die Lehrgangsleiterin stellte uns ein ehrgeiziges Programm mit vielen Theaterbesuchen vor, aber es kam ganz anders: nur wenige Tage später der Lockdown. Der Präsenzunterricht wurde auf distance learning umgestellt und ebenso fielen die Theaterbesuche ins Wasser. Somit lag der Schwerpunkt dieser Lehrveranstaltung auf der Analyse von Videos. Ungeachtet dessen möchte ich nun meine erste Inszenierungsanalyse, die ohne Interpretation und Adjektive auskommen soll, vorstellen. Nicht zuletzt weil mich viele bei der Suche nach dem Musikmöbel tatkräftig unterstützt haben.

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Schönheit ohne Ende: Medienanalyse am Beispiel des Dokumentarfilms Schönheit

„Sophia Vegas[1] macht Mami-Makeover: ‚Durch die Schwangerschaft ist einiges verrutscht‘“,[2] „Mehr Natürlichkeit: Gerda Lewis[3] plant neue Brust-OP“,[4]  oder „Adeles[5] neuer Superbody: ‚Scheidungsfrust, neue Lebenslust?‘ oder doch Magersucht?“[6] – Headlines wie diese spiegeln das öffentliche Interesse an einer gesellschaftlichen Entwicklung in den Medien wider, die das Aussehen des Körpers zum Thema hat. Medien nehmen dabei eine wichtige …

Über eine Bleistiftzeichnung

Es war einer dieser Tage, an denen ich versuchte, der tödlichen Langeweile durch endloses Scrollen und Wischen zu entkommen – so lange, bis doch einmal das Ende des Social-Media-Streams zu sehen war. Während ich mich also dem Strom der medialen Bilder hingab, nimmermüde irgendwelche Knöpfchen zu drücken und Links zu betätigen, tauchte zu meiner großen …

Vom Nichts zum Stück – (hoffentlich). Logbuch: 25.10.2020.

Es ist Sonntag. Zeitumstellung. Wieder einmal Winterzeit. Aber das ändert wenig daran, dass ich am 31.1.2021 eine Endfassung einer bühnentauglichen Szene abgeben muss. Was bedeutet eigentlich bühnentauglich? In diesen Zeiten? In Covid-Zeiten. Covid-Zeit? Klingt eigenartig. Als wäre die Zeit ein Virus. Was, wenn das Virus sprechen könnte? Was wenn das Virus eine Geschichte oder ein …

Strand, Bier, Zigaretten, alte Filme und ein bisschen Meer: Notizen vom Sommer in Kreta

Im heurigen Sommer besuchte ich die griechische Insel Kreta. Normalerweise blogge ich über meine Reisen. Nun denke ich aber, dass es bereits genügend Reisetipps im Netz zu finden gibt und es braucht wirklich keinen weiteren Kreta-Artikel von mir. Und trotzdem wollte ich die berührenden und schönen Momente meines Inselsommers festhalten – somit sind eine Handvoll …

Der Wald gibt ein Konzert

Klatsch! Aha, was war das? Klatsch! Da! Schon wieder? Irgendwas klopft gegen meine Kappe! Platsch, klatsch! Jetzt am Unterarm! Nicht doch! Sind das Regentropfen? Fängt es da oben, hoch in den Wipfeln, an zu rascheln? Aber es ist doch nichts zu sehen! Geben die Baumkronen gar einen Kammerton von sich? Sind das Streicher? Laute Stimmen, …

Offiziell orientiert

Es ist der letzte Tag vor dem Ablaufen der Frist, um noch rechtzeitig fürs Sommersemester zu inskribieren: Eine Nummer hab ich schon gezogen! Mir hat mal jemand erzählt, dass sich in diesem Zeitraum pro Stunde ungefähr 150 bis 180 Studierende anmelden. Zwischen all den Menschen, am Gang der Uni, beginne ich erst einmal zu rechnen. …

Pics or It Didn’t Happen: Krumau-Reise in digitalen Bildern

Laut Jean Baudrillard leben wir nicht in der Realität. Wir leben in einer Simulation. Was wir wahrnehmen, ist nur eine ästhetische Halluzination der Realität. Technisch reproduzierbare Bilder haben ihre wirklichkeitskonstituierende Kraft verloren. An die Stelle des Sinns ist die Simulation getreten. Die Bilder gehen der Welt voraus. Sie modellieren alles Reale. Bild und Wirklichkeit gehen …

Vom Schillern bis zum Glitzern: Ich feiere Paris

Voilà, die Initialzündung: Geburtstag in Paris. Damit das Ganze schön feierlich ablief, hatte ich mir ein paar Tage zuvor Satres Briefe an Simone de Beauvoir aus der Bücherei der Raritäten geholt. Mit zwei dicken Wälzern im Koffer – die Briefe an Sartre und die Briefe an Simone de Beauvoir – traf ich nahe der Champs-Élysées ein. Zur …